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KAPITÄN MARKUS KRUG IM INTERVIEW

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Ein Artikel aus dem aktuellen "Bruno"17.09.2014

"Ich halte viel von Loyalität, Identifikation und Vereins­treue." (erschienen im Stadionheft "BRUNO")

BRUNO: Herr Krug, die Oberliga-Partie gegen Neugersdorf am 23. August war Ihr 100. Ligaspiel für den 1. FC Lok. Können Sie sich noch an Ihr erstes erinnern? KRUG: Ich kann mich noch an mein erstes Punktspiel für Lok erinnern. Es war gleich ein Heimspiel. Wenn ich mich nicht täusche, war das gegen die Erfurter U23 und wir haben 1:1 gespielt. Wir lagen zurück und ich glaube, den Ausgleich hatte damals Steven Aßmann gemacht. Ich habe davon noch ein paar grobe Bilder im Kopf.

BRUNO: Sie sind der einzige Spieler, der aus dieser Mannschaft vom August 2009 übriggeblieben ist. Wie erklären Sie sich das? KRUG: Wie ich mir das erkläre? Wahrscheinlich habe ich alle vergrault (lacht). Im Ernst: Ich kann nur von mir sagen, dass ich damals vom HFC bewusst zu Lok Leipzig wollte und zu keinem anderen Verein gewechselt wäre, da ich ja auch noch Vertrag in Halle hatte. Da ich mich bereits zu meinen HFC-Zeiten sehr durch die Fanfreundschaft für Lok interessiert habe, war dieser Schritt die logische Konsequenz. Für einen Fußballer gibt es nichts Schöneres als vor so vielen und treuen Fans zu spielen. Ich fühle mich zudem bei Lok sehr wohl und identifiziere mich mit diesem Verein. Warum sollte man da wieder wechseln?

BRUNO: Ihre erste Saison lief für die Mannschaft katastrophal. Woran lag es? KRUG: Ja, dass war durchaus keine leichte Saison zum Einstieg. Wir haben uns da sehr schwer getan. Ich kam ja zu der Zeit, als erstmalig ein neuer Trainer nach Rainer Lisiewicz installiert wurde. Einige kamen wohl mit der neuen Spiel-Philosophie nicht so klar, unter anderem die Umstellung auf die moderne Viererkette, die vorher wohl noch nicht so praktiziert wurde. Erstmalig hatte Lok den sofortigen Aufstieg verpasst. Die zweite Saison in einer Liga ist bekanntlich die schwerste und in jener Oberliga-Saison gab es ja auch noch mehrere andere gute Vereine.

BRUNO: War die Last der ersten Lok-Generation nach der Neugründung zu groß? KRUG: Zumindest war es kein Vorteil für uns, dass Lok in den vorangegangenen Spielzeiten jedes Jahr gleich wieder aufgestiegen ist. So war die Erwartungshaltung im Verein und bei den Fans natürlich gestiegen. Es ist ja klar, dass dies nicht ewig so weitergehen kann. Auch wenn es natürlich wünschenswert gewesen wäre.

BRUNO: Wenn Sie auf Punkt- und Pokalspiele sowie Freundschaftsspiele zurückschauen. Welche drei Spiele waren die schönsten Ihrer bisherigen Lok-Karriere? KRUG: Auf Anhieb fällt mir da immer das Landespokal-Spiel im November 2009 zu Hause gegen Aue ein. Die hatten damals eine überragende Saison gespielt und sind dann später auch in die 2. Liga aufgestiegen. Wir hatten alle einen besonders guten Tag erwischt, haben richtig gut mitgespielt und es bis in die Verlängerung geschafft. Wobei wir erst kurz vorm Elfmeterschießen in der 118. Minute das entscheidende Gegentor zum 0:1 bekommen haben. Ich habe das Bruno-Plache-Stadion noch als richtigen Hexenkessel in Erinnerung. Trotz der Niederlage ist mir dieses Spiel noch sehr präsent. Dann gab‘s da noch dieses wichtige Spiel bei Fortuna Chemnitz, was für uns ein echtes Aufstiegsspiel zur Regionalliga war. Wir gewannen zu Recht 2:0 und die ganze Anspannung fiel danach von uns Spielern ab. Ich denke Rolle kann sich daran auch noch gut erinnern (Steve Rolleder spielte damals für Fortuna Chemnitz/d.Red.). (lacht) Schön war ebenfalls der 2:0 Derbysieg gegen den FC Sachsen vor über 10.000 Zuschauern. Ich habe glücklicherweise nicht ein Derby gegen den FC Sachsen verloren. Aber auch die Siege gegen die haushohen Favoriten aus Magdeburg und Jena im Zentralstadion aus der ersten Regionalliga-Saison sind mir noch gut in Erinnerung. Auch die wahnsinnigen Emotionen bei dem 3:2 Sieg im Plache gegen Neustrelitz waren der Hammer, als wir in den letzten Minuten das Spiel gegen den Tabellenführer noch gedreht haben. Gänsehaut! Etwas Besonderes sind natürlich auch immer die Spiele gegen höherklassige Teams wie Schalke, Leverkusen oder Fulham. Aber die wahren Emotionen erlebst du eben nur im Ligaalltag. Das waren jetzt mehr als drei Spiele. (schmunzelt).

BRUNO: Das lässt sich verkraften. Sie hatten gleich in Ihrem ersten Spiel für den 1. FC Lok Bekanntschaft mit Christian Beck gemacht. In der Regionalliga und Oberliga tummeln sich einige Spieler mit denen sie sich harte Duelle geliefert haben. Wer ist/war ihr härtester Kontrahent? KRUG: Ich denke speziell in der Regionalliga gab es schon echt viele gute Stürmer. Aber an Steffen Kellig erinnere ich mich besonders. Nach einen Punktspiel, ich glaube in der Aufstiegssaison, durfte ich nach dem Spiel noch ins Krankenhaus und meinen Fuß röntgen und meine Lippe nähen lassen. Zudem war noch mein Jochbein schön blau.

BRUNO: Heiko Scholz ist der neunte Trainer, den Sie beim FCL erleben. Wer hat Sie besonders geprägt? KRUG: Ja, leider hatte ich bei Lok bisher so viele verschiedene Trainer. Gründe gab es viele: Krankheit, Rücktritt oder Entlassung. So konnte ja auch nie Konstanz und Ruhe in die Mannschaft kommen. Jeder Trainer hat ja unterschiedlichste Vorstellungen und Visionen vom Fußball. Grundsätzlich nimmt man sich von jedem Trainer was mit. Vorzüge hatten alle Trainer, bis auf einen. Bis auf diesen Trainer kam ich auch mit allen super aus und bin Ihnen zu Dank verpflichtet. Besonders hervorheben muss ich da aber Marco Rose. Seine Auffassung vom Fußball, seine Mentalität und einfach das Menschliche waren überragend. Auch wenn ich absolut nichts für RB übrig habe, aber ihm wünsche ich alles Gute. Ich freue mich natürlich, dass wir mit Heiko Scholz endlich einen super Trainer nach Marco Rose gefunden haben und er uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt und hier was aufbauen kann. Er ist ein sehr guter Trainer und kümmert sich nicht nur um seine erste Mannschaft, sondern um wichtige Angelegenheiten für den gesamten Verein. Das ist nicht selbstverständlich und dem gebührt Respekt.

BRUNO: In welchen Bereichen haben Sie sich in der bisherigen Zeit in Probstheida am meisten verbessert? KRUG: Ich kam ja mit 20 Jahren, also als junger Spieler, zu Lok. Ich werde demnächst 26. Ich denke, dass ich mich in allen Bereichen weiterentwickelt habe. In dem einen mehr, in dem anderen weniger. Sei es im taktischen Bereich oder zum Beispiel in der Zweikampf-Führung. Ich denke auch, dass mein Kopfballspiel nicht so schlecht ist. Ich scheue mich auch nicht Verantwortung zu übernehmen, sei es auf oder neben dem Platz.

BRUNO: In Ihrer Zeit haben Sie genau ein Tor erzielt, obwohl Sie bei Standards immer vorn sind. Sind Sie nur Staffage oder warum fällt Ihnen die Pille nicht vor die Füße? KRUG: Gute Frage, nächste Frage. Ja, das ist wirklich noch so ein Manko. Ab und zu sollte ich auch als Abwehrspieler mal treffen. Daran arbeite ich diese Saison. Und dann gibt’s kein Halten mehr. Versprochen! (lacht)

BRUNO: Als Sie bei den Kickers Raguhn mit dem Fußball begannen, war Kapitän des 1. FC Lok zu werden, sicher nicht ihr Lebenstraum. Wo wollte der junge Markus Krug ursprünglich hin? KRUG: Na klar war das schon immer mein Lebenstraum (lacht). Meine Eltern haben ein Haus direkt neben dem Sportplatz in Raguhn. Ich war also den ganzen Tag dort mit Freunden Fußball spielen. Jeden Tag. Wir haben einfach Fußball gespielt, weil es uns Spaß machte. Als Kind wollte ich natürlich Profifußballer beim FC Bayern werden, oder Feuerwehrmann, wie mein Vater.

BRUNO: Die meisten Lok-Spieler arbeiten oder studieren. Was machen Sie und wie sieht ihr Tag mit Lok aus? KRUG: Mein Alltag in der Woche sieht seit Jahren gleich aus. Um 6 Uhr klingelt der Wecker und 6.30 Uhr bin ich auf Arbeit. Ich arbeite im öffentlichen Dienst in der Bußgeldstelle in Halle. 15.45 Uhr mache ich Feierabend und fahre dann direkt zum Training. Wenn ich bei Lok ankomme und schon das Auto von unserem Athletiktrainer Michael Haase sehe, da würde ich immer am liebsten schon wieder umdrehen (schmunzelt). Nach dem Training bin ich dann so zwischen 20 und 21 Uhr erstmalig zu Hause. Je nachdem wie lang das Training ging. Ich bin also so 14 bis 15 Stunden täglich auf den Beinen. Wenn ich zu Hause ankomme, bin ich dann natürlich platt. Am Wochenende kommt dann entweder noch Training und/oder ein Spiel dazu. Mein Dank geht da vor allem an meine Familie und meine Freundin Sabine, die das so seit Jahren mitmachen und mich immer unterstützen.

BRUNO: Sie haben neulich der „Leipziger Internet Zeitung“ gesagt, dass Sie sich Ihr Karriere-Ende beim ­1. FC Lok vorstellen können. In den fünf Jahren, die Sie hier spielen lief selten bis nie Wein aus dem Wasserhahn und immer noch muss viel improvisiert werden. Was treibt Sie an, so einen öffentlichen Treue-Eid abzugeben? KRUG: Wie ich anfangs ja schon erwähnt hatte, wollte ich ja damals unbedingt zu Lok. Der 1. FC Lok Leipzig ist mein Verein, mit dem ich mich zu 110 Prozent identifiziere und bereit bin, in jedem Training und in jedem Spiel alles zu geben. Da Lok nicht einfach irgendein Verein für mich ist, fällt es schon einfacher auf gewisse Dinge zu verzichten. Außerdem sehe ich schon die Verbesserungen unter dem jetzigen Vorstand, sei es strukturell, organisatorisch, wirtschaftlich, personell oder im Sponsoring usw., und dass viele Sachen angeschoben beziehungsweise angegangen werden. Ich will meinen sportlichen Beitrag dazu leisten, dass der Verein Lok Leipzig wieder in ruhigere Fahrwasser kommt und eine positive Zukunft vor sich hat. Für mich gibt‘s eben nur zwei Vereine, mit denen ich mich voll und ganz identifiziere: Das sind nun mal Lok Leipzig und der Hallesche FC. Ich bin einer, der viel von Loyalität, Identifikation und Vereinstreue hält. Ich muss nicht wegen zehn Euro mehr oder weniger permanent den Verein wechseln und mit 25 Jahren zehn verschiedene Vereine in meiner Fußballer-Laufbahn gehabt haben. Daher diese ernst gemeinte Aussage, dass ich es mir vorstellen kann, hier bis zum Ende meiner Fußballerkarriere zu spielen.

BRUNO: Der Saisonstart verlief gut. Was macht Sie zuversichtlich, dass der direkte Wiederaufstieg geschafft wird? KRUG: Ein großes Plus ist auf jeden Fall, dass unsere Mannschaft aus der guten Rückrunde der Regionalliga nahezu komplett geblieben ist. Das ist nach einem Abstieg nicht selbstverständlich und ich bin daher sehr stolz auf jeden Einzelnen. Wir haben alle das Ziel des sofortigen Wiederaufstieges. Dafür trainieren wir jeden Tag viel und hart,-genauso viel wie zu Regionalliga-Zeiten. Ich denke, wir haben eine richtig gute Abwehrarbeit. Und damit meine ich nicht nur hinten die Viererkette und den Torwart, sondern die gesamte Defensivarbeit - und die beginnt bereits im Sturm. Wenn wir einmal führen, denke ich, dass wir gute Chancen haben, jedes Spiel auch zu gewinnen. Wir haben auch in der Offensive eine sehr gute Qualität. Jedoch müssen wir natürlich auch erst noch mit der Umstellung klarkommen, dass wir nun das Spiel machen müssen und vor allem geduldig sein müssen, wie beim Spiel gegen Schott Jena. Das ist schon anders als in der Regionalliga. Aber da bin ich zuversichtlich und sehe positiv in die Zukunft. Außerdem haben wir ein super Trainerteam mit Heiko Scholz und Rüdiger Hoppe. Gemeinsam mit den Fans schaffen wir das. Alle zusammen!

Das Interview führte Marko Hofmann

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Authors: FC Lokomotive Leipzig

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